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Predigt zu Apostelgeschichte 1, 3-4.8-11
Ein grossartiges Szenario, liebe Gemeinde, die Auffahrt Jesu durch die Wolken in den Himmel. Ich weiss nicht wie es Ihnen dabei geht... Als Kinder haben wir den Auffahrt-GD auf einem Berg gefeiert.
Es war ein richtiges Fest, für die ganze Familie, ökumenisch, mit Blechbläsern, unter freiem Himmel. Anschliessend ein Suppenzmittag, draussen, ein wenig abgehoben von der Stadt, ja man könnte sagen, ein Fest zwischen Himmel und Erde.
Und - ein Ereignis bei dem unscheinbar etwas Göttliches spürbar wurde – vielleicht auch durch den Wind, der oft Notenständer und Liedblätter durch die Gegend wirbelte.
Wo erleben Sie in ihrem Alltag Göttliches, liebe Gemeinde?
Ich möchte mich mit ihnen auf eine Spurensuche machen nach dem Göttlichen in unserem Leben und in der Welt, das durch Himmelfahrt uns entgegenscheint.
Und ich möchte versuchen, aufzuzeigen, was dieser Erkenntnis förderlich oder hinderlich sein kann.
Alles entlang am heutigen Predigttext :
(1) Den ersten Bericht habe ich gegeben, lieber Theophilus, von all dem, was Jesus von Anfang an tat und lehrte (2) bis zu dem Tag, an dem er aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den Heiligen Geist Weisung gegeben hatte.
(3) Ihnen [den Aposteln] zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und liess sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes. (4) Und als er mit ihnen zusammen war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr, so sprach er, von mir gehört habt; (5) denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.
(6) Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? (7) Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat,
(8) (aber) ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. (9) Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. (10) Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. (11) Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.
Spuren des Göttlichen.
Jesus selbst legt sie mit seinem Erscheinen nach der Auferstehung, indem er sich zeigt als der Lebendige, indem er Gemeinschaft teilt mit Menschen und indem vom Reich und somit der Fülle Gottes spricht.
Eine Zusammenfassung des Erdenwirkens Jesu scheint hier ausgedrückt zu sein, wie es uns in den vier Evangelienberichten überliefert ist.
Lebendigkeit, Gemeinschaft und Fülle – quasi drei Spuren, die uns aufmerksam machen und leiten sollen auf der Suche nach dem tieferen Sinn unseres Lebens und nicht zuletzt nach dem Göttlichen.
Kurz darauf hören wir die Verheissung an die Jünger: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen und werdet meine Zeugen sein.“
Es ist der letzte Satz Jesu, bevor er in den Himmel emporsteigt und von den Seinen Abschied nimmt.
Ein Zuspruch, der uns bis heute immer wieder neu begegnen will. Egal wer wir sind, wie und wo wir sind.
Die Kraft des heiligen Geistes – wir dürfen sie empfangen, wir können uns beschenken lassen, müssen nicht immer geben, dürfen loslassen, uns einlassen auf etwas Grösseres und energievoll Verborgenes.
Abgeben um reich zu werden könnte die Devise lauten.
Mehr als eine Verheissung ist es eine Einladung an uns heute, dem krampfhaften Druck und der Suche nach stimulierenden Events und immer stärkeren Adrenalinkicks auszuweichen, und frei zu werden für die wichtigen und leisen Dinge in unserem Leben, die nicht vorrangig in Messehallen oder unter ohrenbetäubender Musik erkennbar werden.
Aber wie, liebe Gemeinde, werden Sie sich vielleicht fragen?
Sind wir nicht alle Kinder dieser Zeit und lassen uns anstecken von Beschleunigung, von Trends und gut gemachter Werbung, von Massenattraktionen und intensiv konsumierbarem Fussballfieber – wie in diesen Tagen die Aufmerksamkeit gelenkt wird auf ein journalistisches Grossereignis nicht weit von hier mit über 600 Berichterstattern und 40.000 Zuschauern – nicht schwer zu erahnen, es ist ein Fussballtraining der brasilianischen Nationalmannschaft.
Rekorde und Showbusiness, alles was laut ist und Furore macht, scheint sich heute in unserer Gesellschaft durchzusetzen. Das Eingehen in die Geschichte, sei es durch Macht, Besitz oder besondere Höchstleistungen scheint wichtiger denn je.
Gerade im Konkurrenzkampf der Autohersteller und den in immer kürzeren Abständen erscheinenden neuen Automodellen wird eine Sehnsucht der Menschen nach Besitz erkennbar. Unabhängigkeit und Flexibilität scheint ein grosses Angewiesensein eine Abhängigkeit auf Besitzgegenstände zu bewirken, die Menschen von einander abgrenzt und sich aufs Eigentum konzentriert.
Selbstprofilierung gegenüber den anderen – ein Trend, dessen Auswirkungen teilweise erschreckend sind.
Die Jünger blicken nach oben – als Jesus auf einer Wolke vor ihren Augen weggenommen wird.
Ein einschneidendes Erlebnis. Jesus scheint endgültig weg und verschwunden zu sein. Der direkte sichtbare Kontakt bleibt den Menschen von nun an verwehrt.
Die Vergewisserung und Suche der Jünger nach spürbarer Beziehung zu ihrem Jesus setzt ein mit dem Blick nach oben, dem Blick in den Himmel.
‚Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein’ – so heisst es in einem Schlagerlied. Was werden die Jünger in diesem Moment wohl gedacht haben?
War es Trauer (durch den Abschied ihres so vertrauten und geliebten Menschen)? War es Staunen?
War es Verwunderung oder vielleicht sogar Freude?
Ein Gefühl von unendlicher Weite und Klarheit leuchtet dem entgegen, der sich bei sonnigem Wetter auf die Wiese legt mit dem Gesicht nach oben und die Wolken vorbeiziehen lässt, Wind und Vogelgezwitscher tun ihr übriges dafür, dass man für einen Moment sich der Erde enthoben fühlt.
Ein Gefühl von Leichtigkeit und Erfülltsein will sich dann einstellen und ausbreiten. Und vielleicht kennen Sie die Tagträume die man hat, um sich für einen Moment nach anderen Sphären zu sehnen.
Der Blick nach oben und in die Weite darf und muss manchmal sein, da er neue Energie schenkt und die Spinnweben aus unseren Köpfen befreit, wie ein englisches Sprichwort zu sagen weiss.
Aber dieser träumerische Blick muss irgendwann wieder geerdet sein, Konturen gewinnen, wenn er von Dauer sein will.
10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. 11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.
Die Engel haben die Antwort bereit. Nahezu verwundert reagieren sie auf das Verhalten der Jünger.
Was schaut ihr dauernd zum Himmel – so könnte man in die heutige Zeit übersetzen. Angesprochen damit: Esoterische und heilsversprechende Angebote, die Menschen in Abhängigkeiten versetzen und ausbeuten, seelisch wie finanziell.
Jesus bleibt unter euch, so die Engel weiter.
Er ist nicht fern. Vielmehr eine neue Qualität göttlicher Erfahrung wird durch Himmelfahrt zum Anklingen gebracht. Von bald an wird der Geist unter uns Menschen wirken.
Sehnt euch nicht nach unerreichbaren Welten, sondern fangt an, im Hier und Jetzt zu leben. Ohne Zweifel, die Sehnsucht nach dem entfernten Ziel kann helfen, den eigenen Weg zu bestreiten. Aber/Denn vor uns liegen genügend Aufgaben und Entfaltungsmöglichkeiten, die wir angehen können, um miteinander friedlich in der uns anvertrauten Schöpfung den eigenen Platz zu finden.
Wir Menschen, ein jeder von uns, hat seinen Platz aber in dieser Welt. Manchmal entdecken wir erst später unsere Lebensaufgabe, unseren Be-Ruf, werden wichtig für andere, als Helfer, Bruder oder Schwester, Erzieher oder Weggefährte.
Leben in Beziehung, und nicht völlig losgelöst von der Erde und schwebend über den Köpfen der anderen. Sich-Zeitnehmen für den anderen, ihm einen Moment lang Aufmerksamkeit geben, sich Engagieren gegen Gewalt, Hunger, Krankheit und andere Ungerechtigkeiten, die oft schon vor unserer Haustür passieren.
Schwere gehört manchmal zum Leben dazu, Auseinandersetzung und Klärung bedarf es, damit es mit frischem Fahrtwind weitergehen kann
Wozu der Geist uns instand setzt werden wir sicherlich an Pfingsten noch hören. Anklingen lassen möchte ich dennoch die Chance, die uns durch die unsichtbar verborgene Kraft beflügeln und neue Horizonte eröffnen kann.
Der Geist lässt sich nicht in feste Mauern, in ein Haus, oder in eine abgegrenzte Gruppe sperren. Er sucht sich selbst das Gefäss, in dem er wirken will.
Der Geist Gottes strebt nach Freiheit in unseren Köpfen von eingefahrenen Denkmustern und muffigen Winkeln, die es zu entstauben gilt.
Wenn wir Gottes Geist Gelegenheit in uns und zwischen uns wirken lassen, kann neues entstehen, werden Begabungen sichtbar, neue Einblicke in zuvor verdunkelte Räume unserer Vorstellungen.
Himmlisches – liebe Gemeinde strahlt uns seit Auffahrt bis auf die Erde entgegen.
Das will heissen, Gottes Welt ist grösser als wir irdisch erfassen und in unserer heutigen Gesellschaft erfahren. Auffahrt sprengt Grenzen, die wir Menschen uns gemacht haben, im Denken, im Zulassen von Möglichkeiten, im Träumen von Ideen und einer besseren Welt.
Der Himmel weitet unseren Horizont für das, was uns auf der Erde zu tun aufgeben ist. Der Himmel als Dimension des Zukünftigen und der Hoffnung lädt ein zum Kraftschöpfen und Durchatmen.
Unsichtbar und doch erlebbar. Verlassensein und doch unmittelbare Nähe. In dieser Spannung leben wir. Auffahrt lässt uns nicht allein zurück, sondern lässt uns Gottes Nähe in einer neuen geistvollen Dimension erahnen und erleben.
Wenn wir wie die Jünger voller Sehnsucht zum Himmel schauen, stimmt seine Nähe in uns wohltuende Töne an und lässt uns Menschen auf der Erde untereinander zum Klingen bringen und Gemeinschaft hier auf der Erde erfahren.
Gemeinschaft die das Verbindende sucht, Beziehung die tröstet und Mut macht und im gemeinsamen Mahl Kraft gibt für die bevorstehende Zeit.
In diesem Sinn wollen wir heute gemeinsam das Abendmahl feiern, das uns Zukunft und Hoffnung auf ein erfülltes Leben schenkt, auf den Spuren Gottes.
Amen.
Gottesdienstablauf
Orgelvorspiel
Votum & Begrüssung
Im Namen Gottes, der Himmel und Erde gemacht. Amen
Heute feiern wir Auffahrt. 40 Tage nach Ostern, dem Fest der Auferstehung Jesu und unserer Neuwerdung – der Feier des Lebens!
Jesus, nach Ostern nochmal für eine Zeit lang unter den Jüngern weilend, fährt auf den Wolken zu seinem Vater hinauf, um bei Gott dem Schöpfers zu sein.
Auffahrt – ein Fest mitten im Jahreskreis und Kirchenjahr, eingebettet zwischen Ostern und Pfingsten. Und beides nimmt es auf, das pralle Leben mit dem Blick nach vorn bzw. nach oben und die Geistfülle, die uns umgeben will.
In der frühen Christenheit gab es noch kein eigenes Fest der Auffahrt Christi. Das Gedächtnis der Erhöhung war eng mit der Osterfeier verbunden. Wichtig war den ersten Christen also, das Göttliche in der Person Jesu hervorzuheben.
Die Himmelfahrtskirche auf dem Ölberg in Jerusalem – vielleicht haben einige von Ihnen sie schon mal gesehen – (zeugt noch heute eindrücklich von diesem Ereignis) sie wurde an der Stätte erbaut, wo der Überlieferung nach Jesus in den Himmel erhoben wurde.
Himmelfahrt
Dieser Begriff gibt uns das Ziel und den Inhalt an.
Himmlisches steht im Mittelpunkt – Sehnsucht auf Weite, Unendlichkeit, Quelle der Befreiung und Hoffnung auf das was uns nach unserem Leben auf der Erde an einem anderen Ort erwartet und uns in Empfang nehmen will.
Himmlisches – Leichtes und Schwebendes was sanft die Schwere von uns nehmen will und uns träumen lässt von einem besseren Leben, von Frieden und Gerechtigkeit, von unerschöpflicher Liebe und Vertrauen.
Lied RG 568, 1.9 (EG 446)
Wach auf mein Herz und singe
Eingangsgebet
Gott, Schöpfer des Lebens,
du gibst uns Luft zum Atmen und Wasser zum Leben, Du lässt uns neu entstehen.
In Jesus bist Du uns Menschen begegnet und hast uns Deine Göttlichkeit und Fülle erfahren lassen. Wir bitten Dich, mache uns frei und leicht und gib uns dann wenn wir schwere Sorgen uns gefangen nehmen wollen eine frische Brise, die uns trägt und Mut schenkt. Lass uns nun Deine Gegenwart spüren/erfahren wenn wir gemeinsam singen und beten.
Amen.
Lied RG 273 (EG 341)
Nun freut euch liebe Christen g’mein
Schriftlesung
Lukas 24, 50-53
Lied RG 491, 1-5 (EG 119)
Gen Himmel aufgefahren ist
Predigt
Orgelimprovisation
Lied (Liedblatt) (EG 79)
Wir danken Dir, Herr Jesu Christ
Abendmahl
Wir wollen nun gemeinsam das Abendmahl feiern in Erinnerung an Jesus Christus, der für uns Menschen gestorben ist, auferstanden ist und durch seine Auffahrt zu Gott uns teilhaben lässt an der himmlischen Fülle. Durch ihn erfahren wir neue Gemeinschaft und Beziehung, die heilsam ist und uns Kraft gibt, im Alltag und füreinander. Gott lädt uns alle ein.
Lied RG 323, 1 (EG 225)
Kommt sagt es allen weiter
Gebet
Gott, Vater im Himmel, wir bitten Dich, sei Du bei uns wenn wir nun essen vom Brot des Lebens und trinken vom Kelch des Heils. Nimm von uns was uns belastet, und mache uns frei von Sorgen. Gib uns die nötige Kraft Dinge zu verändern und Liebe zu üben.
Amen
Unser Vater
Wir hören die Einsetzungsworte, die uns einladen zum Mahl.
Austeilung
Dankgebet
Gott , deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Wir danken Dir für die Gemeinschaft die du uns schenkst.
Hilf dass das Brot das wir teilen zum Symbol wird für andere Dinge die wir mit Menschen teilen können. Gib dass wir abgeben lernen, dass wir durch die Kraft, die uns in deinem Mahl gegeben wurde, zum Lebensspender werden für viele.
Mitteilungen
Segen
Lied RG 347, 1.2 (EG 168.4)
Wenn wir jetzt weitergehen, dann sind wir nicht allein
Orgelnachspiel
© UlrichHossbach.de
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