[ Taufgottesdienst und Predigt am 29.10.2006 ]
 

Predigt zu Apostelgeschichte 8, 26-39

Eine Taufe wie sie sich nicht alle Tage ereignet. Eine Geschichte, bei der es um das Drumherum der Taufe geht, und darum, wie sie zustande kommt. Hierbei lassen sich interessante Beobachtungen machen.

Predigttext[Link]

(26) Aber der Engel des Herrn redete zu Philippus und sprach: Steh auf und geh nach Süden auf die Strasse, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt und öde ist.
(27) Und er stand auf und ging hin. Und siehe, ein Mann aus Äthiopien, ein Kämmerer und Mächtiger am Hof der Kandake, der Königin von Äthiopien, welcher ihren ganzen Schatz verwaltete, der war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten.
(28) Nun zog er wieder heim und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. (29) Der Geist aber sprach zu Philippus: Geh hin und halte dich zu diesem Wagen! (30) Da lief Philippus hin und hörte, dass er den Propheten Jesaja las, und fragte: Verstehst du auch, was du liest? (31) Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen.
(32) Der Inhalt aber der Schrift, die er las, war dieser (Jesaja 53,7-8): „Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf. (33) In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Wer kann seine Nachkommen aufzählen? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.“ (34) Da antwortete der Kämmerer dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem redet der Prophet das, von sich selber oder von jemand anderem?
(35) Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit dem (diesem) Wort der Schrift an und predigte ihm das Evangelium von Jesus. (36-37) Und als sie auf der Straße dahinfuhren, kamen sie an ein Wasser. Da sprach der Kämmerer: Siehe, da ist Wasser; was hindert's, dass ich mich taufen lasse? (38) Und er ließ den Wagen halten und beide stiegen in das Wasser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn. (39) Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus und der Kämmerer sah ihn nicht mehr; er zog aber seine Straße fröhlich.


Nicht Jesus und Johannes, wie in der kurzen Theatereinlage unserer Drittklässler vorhin gesehen und vielen von uns bekannt, sondern Philippus und der Äthiopier stehen im Mittelpunkt dieser Tauferzählung. Schauen wir uns die beiden Akteure einmal genauer an und wie es überhaupt zur Taufe kommt.

Die Ausgangssituation:
Philippus wird von Gott geschickt. Er erhält (von Gott) einen besonderen Auftrag, denn es geht um einen ganz ungewöhnlichen Mann. Der Kämmerer ist ein Hofbeamter und Finanzverwalter einer afrikanischen Königin. In Äthiopien, das zu dem Nubierreich gehörte, regierten (übrigens) nur Königinnen.

Der Afrikaner kommt - nach damaligem Empfinden - vom Ende der Welt, um im Tempel in Jerusalem Gott anzubeten, und noch auf der Rückreise ist er vertieft in das Lesen der Heiligen Schrift. Als erster Heide soll er in die christliche Gemeinde aufgenommen werden. Und das geschieht auf direkte Weisung von Gott und auf speziellen Antrieb des Geistes.

Mir fallen Menschen ein, die auf der Suche sind nach etwas grösserem in ihrem Leben, nach Raum und Weite, nach Geborgenheit oder einer Kraft die sie trägt, nach Liebe - vielleicht (ist es) eine spirituelle Suche, die Suche nach Erfüllung von Sehnsüchten.
Wo finden wir, liebe Gemeinde, diese Erfüllung?

Ihr Kinder findet Erfüllung vielleicht im Spielen, in der Freundschaft, im Abenteuer, im Hören und Träumen von Geschichten.

Und die Älteren?

Die einen finden sie an geschützten und für sie beseelten Orten, im Beruf oder in der Familie, in den eigenen vier Wänden, andere in der Ferne, wieder andere im Kino, Theater, im Wellness- oder FitnessCenter.

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Der Kämmerer legt einen langen Weg zurück um seine Sehnsucht zu stillen. Er macht sich auf den Weg. Ein mühsamer Weg für den Hofbeamten. Bis nach Jerusalem reist er auf seinem Wagen, um zu Gott im Tempel zu beten.

Wie ist es dazu gekommen?
Wann hat er zum ersten Mal von Gott gehört - war es ein besonderes Ereignis, ein Gedanke, eine innere Stimme? Oder eine Entdeckung in Not, quälender Sorge um etwas?

Und was bewegt in nun dazu, im Tempel Gott (den Gott Israels) anzubeten.
Es scheint ihm ein starkes inneres Bedürfnis zu sein. Er kann nicht anders, er muss dahin. Zuhause lässt er alles stehen und liegen, um das Neue für ihn noch nicht ganz verständliche besser kennenzulernen.

Kennen Sie das, (liebe Gemeinde), da folgt man einer inneren Sehnsucht und setzt alles in Bewegung, sie zu stillen oder tiefer in eine Sache zu tauchen.

Noch ist er allein in dem was er tut.
Allein kehrt er zurück, vielleicht etwas hilflos. Alleingelassen auf seiner Suche.

Bild 2
Da kommt ihm Philippus zu Hilfe. Er ist geschickt, von Gottes belebendem (inspirierendem) Geist.
Manchmal werden uns Helfer an die Seite gestellt, das Wesen einer Sache, der eigenen Suche zu entdecken und die tiefere Bedeutung zu verstehen.

Das was von jetzt ab geschieht, ereignet sich in einem Beziehungsgeschehen.
Die Begegnung zwischen Philippus und dem Afrikaner wird getragen durch eine besondere Kraft, Gottes unsichtbaren Geist (so wie die Taube bei der Taufe Jesu).

Philippus spürt schnell was dem Kämmerer braucht.
Er will ihm helfen auf der Suche nach dem Glück und tieferer Erkenntnis.
Der andere braucht Unterstützung. Manchmal sind es Freunde, Familienangehörige, Vorgesetzte, Ältere, Weise oder (Mentoren und) Mentorinnen, die einem einen tieferen Einblick in eine Sache entdecken lassen, ungeahntes und Verborgenes zum Vorschein und zum Leuchten bringen und die Welt mit anderen Augen sehen lassen.

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Philippus nimmt sich Zeit für den Kämmerer und erzählt ihm die Geschichte von Jesus, dem Sohn Gottes, seinen Wundern, seiner Botschaft von der Liebe, von der Hoffnung und vom Frieden unter den Menschen
Nicht nur der Inhalt ist es, sondern die Art und Weise, wie Philippus sich seinem Gegenüber wie einem Freund zuwendet.
Wahrheit ist es, die er vermittelt - wie einen wärmenden Mantel streift er sie über den Suchenden.
Er handelt als Vermittler. Im Gespräch ereignet sich etwas verborgenes.
Vielleicht haben Sie das, liebe Gemeinde, schon mal erlebt, wie eine Begegnung und ein Gespräch neue Türen öffnen kann, wie ein Schlüssel zu einer Schatztruhe.

Ich durfte in meinem Vikariatsjahr hier in Erlenbach eine ganze Schatzkammer kennenlernen. Menschen, jede und jeder mit ihrem besonderen Glanz und der eigenen Begabung. Leute, die mit Leidenschaft ihr Leben führen und einander helfen, die teilweise auch streiten und kämpfen, aber auch sich wieder versöhnen können.

In vielen Bereichen habe ich das Gemeindeleben kennen- und schätzen gelernt, in der Begleitung der Kleinen vom Kolibri, über Euch Drittklass-Kinder bis zu den Erwachsenen, und dabei habe ich erfahren, wie schön es ist, im Raum der Kirche und des Kirchgemeindehauses einander zu begegnen und ins Gespräch zu kommen.

Es lohnt sich, in der Kirchgemeinde Erlenbach zu leben und zu weben, die vielen Angebote (literarisch, musikalisch, seelsorgerlich oder kulinarisch) wahrzunehmen, wie sie z.B. in den kommenden Wochen begegnen wollen.

Es lohnt sich, in christlicher Gemeinschaft zu leben, im Kleinen und Grossen daran mitzuarbeiten dass die Welt etwas gerechter und friedlicher wird, dass wir voll von Hoffnung sind, und dass wir unseren Kindern Raum eröffnen können, in dem Gott ihnen begegnen will und in dem sie sich entfalten können, mit all ihren Fragen und Ängsten und ihrer Freude.

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Es lohnt sich! Das wird sich wohl auch der Kämmerer aus Äthiopien gesagt haben.
Als er am Wegrand das Wasser sieht, werden in ihm die vielen Geschichten aus der Bibel wach, die von der Lebens- und Wunderkraft des Wassers sprechen. Ströme lebendigen Wassers werden von dem ausgehen, der sich im Glauben an Jesus Christus taufen lässt, so hat er gelesen und gehört.

Ohne lange zu zögern, steigt er von seinem Wagen ab und steigt mit Philippus ins Wasser, der ihn daraufhin tauft.

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Wie sehr diese Begegnung zwischen den beiden von Gottes Geist bestimmt war, wird deutlich im letzten Satz: 39) Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus und der Kämmerer sah ihn nicht mehr; er zog aber seine Straße fröhlich.
Wie der Geist die beiden Menschen zusammengeführt hatte, so trennt er sie wieder und lässt jeden von beiden erfüllt seine Wege ziehen.

Fröhlich. So heisst das letzte Wort dieser Taufgeschichte. Freude über die erfahrene Nähe Gottes, hervorgerufen durch menschliche Bewegung aufeinander zu, durch Freundschaft, durch Gespräche, durch gegenseitiges Helfen und Füreinanderdasein.

Diese Freude, liebe Taufeltern und Paten, liebe Gemeinde, liebe Kinder, wünsche ich Euch und Ihnen, auf dem (Ihrem) weiteren Weg, in der Familie, mit Freundinnen und Freunden und Weggefährten an Ihrer Seite. Freude vor allem in der Offenheit und im Entdecken von neuen Begegnungen und Freundschaften, umhüllt von Gottes Liebe.

Gottes Geist bewahre unsere Herzen und Sinne.
Amen.


Taufansprache

Liebe Taufeltern, liebe Paten,

ein Kind ist angekommen, wir alle freun uns sehr - diesen Satz haben sie vor 6 bzw. 8 Monaten sicherlich ausrufen und weitererzählen können.
Tage und Wochen intensiver Eindrücke liegen hinter ihnen, das Bewundern des neuen kleinen Erdenbürgers, das Miterleben der ersten Bewegungen und Äusserungen ihres Sohnes. Intensiv und vielleicht mit Belastungen war die Zeit kurz nach der Geburt - schlaflose Nächte, die aber in beiden Familien bald gemeistert wurden durch partnerschaftlichen Einsatz.

Marc und Cedrik.
Jeder ein aufgewecktes kleines Kind, noch klein und aber durchaus schon mit einem eigenen Willen und einem ansteckenden Lächeln.

Kinder sind etwas grossartiges - versetzen uns zurück in unsere Kindheit, wie wir die ersten Schritte wagten.
Manchmal sind wir als Erwachsene noch kindisch - Gott sei Dank!

Denn es gibt nicht grösseres als die Welt mit den Augen eines Kindes zu entdecken, mit Neugier und Unvoreingenommenheit, mit Fantasie und Freude.

Das Reich Gottes empfangen wie ein Kind, davon spricht das Neue Testament.
Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes. Ein starker Satz aus dem Munde Jesu.

Fast eine Aufforderung zum kindlich sein!

Was ist es, dass die Kinder so bevorzugen lässt.
Ich denke es liegt in der Angewiesenheit auf das Beschenktwerden und Sich-Schenken lassen. Als Erwachsene lernen wir, unser Leben einzurichten und dafür zu sorgen, dass wir das, was wir brauchen, auch irgendwie bekommen, selbst erwerben.

Der christliche Glaube wird uns hier wie eine leere, zum Empfangen geöffnete Kinderhand gemalt.
Gottes Nähe wird für alle spürbar, die sich wie ein Kind von ihm in die Arme schliessen lassen.

Mit den Jahren wird ihr Kind eigenständig werden, ich sagen können, sich abgrenzen und einmal eigene Wege gehen. Freiheit wollen sie ihm, beide Familien, geben, auch in der Entscheidung in der kirchlichen Gemeinde Halt zu finden.
Zeit und Liebe wollen sie ihm schenken, beides wichtige Werte in der heutigen Zeit.

Die Drittklass-Kinder werden Ihren Kindern nachher Wünsche mit auf den Weg geben, quasi von Kind zu Kind.

Spannend war bereits das erste Kennenlernen im Drittklass-Unterricht.
Die Kinder staunten und stellten interessiert Fragen.

Klänge sollen die beiden Täuflinge heute begleiten: Musik der Drittklässler, (das Plätschern des Wassers) Gesang der Gemeinde, der Klang der Orgel und Worte, Segensworte.


Tauffrage Marc L.

Liebe Taufeltern, liebe Patin, lieber Pate,
ihr wünscht, euren Sohn taufen zu lassen, und zeigt damit euren Willen, dass sie als Glied der Gemeinschaft, gestiftet von Jesus Christus, heranwachsen und leben soll. Ihr seid bereit, ihn im christlichen Sinn zu erziehen, für ihn dazusein und das Möglichste tun für sein Wohlergehen.
Wenn ihr dazu bereit seid und wollt, dass er - wie uns aufgetragen von Jesus Christus - in seinem Namen getauft wird, so antwortet mit „Ja“.
Der Segen von Gottes schöpferischem Geist, der über uns wacht, sei mit Dir.

Marc L., ich taufe dich auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Geh in der Kraft, die dir gegeben ist: einfach, leichtfüssig und zart.
Entzünden der Taufkerze und Übergabe an die Eltern.


Tauffrage Cedrik B.

Liebe Taufeltern, liebe Patin, lieber Pate
ihr wünscht, euren Sohn taufen zu lassen, und zeigt damit euren Willen, dass sie als Glied der Gemeinschaft, gestiftet von Jesus Christus, heranwachsen und leben soll. Ihr seid bereit, ihn im christlichen Sinn zu erziehen, Zeit für ihn zu haben und ihm ein Vorbild zu sein.
Wenn ihr dazu bereit seid und wollt, dass er - wie uns aufgetragen von Jesus Christus - in seinem Namen getauft wird, so antwortet mit „Ja“.
Der Segen von Gottes schöpferischem Geist, der über uns wacht, sei mit Dir.

Cedrik B., ich taufe dich auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Er hat seinen Engeln befohlen dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen. (Psalm 91,11)

Entzünden der Taufkerze und Übergabe an die Eltern.


Gottesdienstablauf

Orgelvorspiel

Votum

Begrüßung
Ich freue mich dass in diesem Gottesdienst Kinder im Mittelpunkt stehen. Wir feiern heute zwei Taufen und erleben die Kinder des Drittklass-Unterrichts.
Wasser soll heute das Thema sein. Mit der Bedeutung von Wasser für das Leben und in der Taufe haben wir in den vergangenen Wochen nachgedacht.

Lied RG 181, 1-4
Bi de Tauffi chömed miir

Verlesung der Taufeltern u. des Täuflings

Lesung Taufszene (mit Dias)

Gebet

Taufansprache

Tauflied
Ein Kind ist angekommen[Link]

Tauffrage - Taufakt - Übergabe der Taufkerze

Zwischenspiel (Okolele)

Wünsche der Kinder

Segnung - Gebet für das Kind

Lied RG 186, 1-3 (deutsche Fassung EG 212)
Voller Freude sehn wir, Gott, dein Wunder

Predigt (mit Dias)

Zwischenspiel (Orgel)

Lied RG 700, 1-2 (deutsche Fassung[Link])
Weit wie das Meer ist Gottes grosse Liebe

Abkündigungen

Zwischenspiel (Orgel)

Fürbitten - Stille - Unservater

Mitteilungen

Lied RG 346, 1-4 (EG 171)
Bewahre uns Gott, behüte uns Gott

Segen

Orgelnachspiel

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