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Predigt zum Familiengottesdienst
Wir glauben. Menschenrechte fordern Einsatz.
So, liebe Gemeinde, lautet der Slogan der diesjährigen ökumenischen Aktion von Brot für alle, dem Entwicklungsdienst der evangelischen Kirchen der Schweiz mit seinen christlichen Partnerwerken. Gemeinsam rücken sie seit einigen Wochen ein Thema in unser Blickfeld, das weltweit an Bedeutung gewinnt: Menschenrechte – Recht auf Leben und Recht auf Freiheit.
Im Rahmen dieser Kampagne wurden gestern schweizweit in hunderten von Kirchgemeinden Rosen verkauft, um die Solidarität mit jenen Frauen, Männern und Kindern auszudrücken, die sich die Menschenrechte erkämpfen müssen: 100.000 Rosen für die Menschenrechte. – so das Motto der Aktion, deren Erlös direkt in Hilfsprojekte fliesst. Auch in Erlenbach wurden vor der Migros 200 Rosen verteilt. Es war eine Freude, euch Kindern und den Konfirmanden beim Verkaufen zuzusehen. Innerhalb von zwei Stunden waren alle Rosen ausverkauft und ihr hätte am liebsten noch weitergemacht. Einen herzlichen Dank noch mal Euch allen an dieser Stelle.
Wir glauben. Menschenrechte fordern Einsatz.
Die Rose als Symbol für das Engagement, das Menschen an vielen Orten der Welt zeigen. Menschenrechte fallen nicht einfach vom Himmel. Menschen in Afrika, Asien, Südamerika und auch bei uns erleben es tagtäglich: Menschenrechte müssen erkämpft, erstritten und eingefordert werden.
Zahlen und Bilder aus den armen Ländern der Welt konfrontieren uns in den Nachrichten immer wieder mit Hungerkatastrophen und Gewaltkonflikten, die nicht enden wollen. Oft können wir schon nicht mehr hinsehen und verdrängen es – haben wir doch unser eigenes Leben zu leben.
Mag sein, dass die ein oder andere Kampagne darauf spezialisiert ist, in uns ein schlechtes Gewissen hervorzurufen. Mit schockierenden Fakten meinen die Initiatoren die Menschen in der Informationsflut am ehesten zu erreichen.
Um Menschen zum Nachdenken zu bringen haben die Organisatoren der diesjährigen Aktion daher zusätzlich eine künsterische Idee verfolgt.
Neben Informationsveranstaltungen und musikalischen Begegnungen stellen sie ein Kunstwerk in den Mittelpunkt, das von einem afrikanischen Künstler und einer europäischen Künstlerin entworfen wurde. Es ist ein Tuch, bunt wie das Leben, mit Menschen, Tieren und Natur, der gesamten Schöpfung.
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Amouzou Glikpa, geboren 1960 in Togo, ist Bildhauer und Maler. Verwurzelt in seiner afrikanischen Kultur und Spiritualität, lebt er heute in Europa und versteht sich als Brückenbauer zwischen Kulturen. Resi Borgmeier, geboren 1936 in Deutschland, ist Graphikerin und Kunstpädagogin.
Das Tuch – eine Coproduktion zwischen verschiedenen Kulturen, unterschiedlichem Geschlecht und Alter.
Ich lade Sie ein, liebe Gemeinde, am Bild entlang einige Beobachtungen zu machen, (von der Mitte beginnend nach aussen). Nachher, beim Suppenzmittag, haben Sie die Gelegenheit, es im Original im Kirchgemeindehaus zu betrachten, wo es noch bis Ostern hängen bleibt.
Das Tuch lebt von seinen warmen Farben, seinen Formen, Gestalten und biblischen Motiven.
Welchen Titel würden Sie diesem Bild geben?
Welche Vision finden Sie in diesem Bild ausgedrückt?
Was zieht Sie an oder stösst Sie ab?
In der Mitte des Bildes sehen wir 2 Lichtgestalten.
Sind es Engel oder Lichtgestalten?
Licht und Hoffnung scheinen diese Figuren auszustrahlen, vielleicht auch Sehnsucht.
Träumend, miteinander redend oder singend.
Zwei Frauen, Maria und Elisabeth haben die beiden Künstler ins Zentrum gestellt.
Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen, singt Maria in ihrem Loblied auf den befreienden Gott. Maria, auf dem Bild blau dargestellt, besucht ihre Cousine Elisabeth, die ebenfalls schwanger ist. Menschwerdung – verborgen zwar, aber umgeben von intensiver Leuchtkraft. Menschwerdung ist ein lebenslanger Prozess, der auch den Einsatz für Menschenrechte einschliesst.
Das Leben ist Mittelpunkt dieser Begegnung, die Vision einer besseren Welt nimmt Gestalt an.
Ermutigende Begegnung
Maria und Elisabeth
Kämpferinnen für eine gerechtere Welt
bewohnt von einer engagierten Gelassenheit
die wagt Unrecht und Diskriminierung zu entlarven
um alle zu ermächtigen zum befreiten Mitsein
Maria und Elisabeth
Wegweiserinnen für ein solidarisches Miteinander
bewegt von jener guten Hoffnung
die die Geburt Gottes in unserer Seele erahnt
um Gerechtigkeit zwischen Frauen und Männern zu verwirklichen
Die beiden Frauen
Sympathisantinnen für eine zärtlichere Gerechtigkeit
bestärkt zur tiefen Lebensfreude
die unaufhaltsam gesungen wird
in ermutigenden Hoffnungsliedern.
Links am Bildrand tritt aus dem Schilf ein Paar, das wir als Adam und Eva erkennen. Als Frau und Mann schuf Gott sie. Auf die Göttlichkeit und die unantastbare Würde eines jeden Menschen wird verwiesen. Zwei Menschen, einander zugewandt, in Bewegung in die gleiche Richtung, umgeben von der Schöpfung. Über ihnen Schilfhain, unter ihnen Giraffen, die kraftvoll zum Brunnen ziehen.
Giraffen – besondere und seltene Tiere, beheimatet in afrikanischen Savannen.
Übersetzt bedeutet Giraffe: die Liebliche. Heute leben sie nur noch südlich der Sahara, vor allem in den Grassteppen Ost- und Südafrikas. Die Bestände nördlich der Sahara wurden frühzeitig durch den Menschen ausgerottet.
Giraffen
Sie stolpern am Rand
der Quelle entgegen
unbeirrt unerschrocken
zu Füssen der Menschen:
Ihre Eleganz
verschnitten vom Raum,
den Menschen für sich nehmen.
Die dünnen Hälse gestreckt
nach dem rettenden Nass:
ob hell oder dunkel,
männlich und weiblich –
Durst nach lebendigem Wasser
verbindet alle Lebewesen,
treibt zum Aufbruch.
Glücklich, die Durst spüren,
die unbeirrt fragen
nach Gerechtigkeit, nach Gott –
glücklich, die noch nicht satt zurücklehnen,
die unerschrocken suchen nach dem Weg
wie es neu anfangen könnte
zwischen uns.
Die Giraffen zieht es zum Brunnen, rechts am Bildrand, dargestellt in Form einer afrikanischen Kaurischnecke. Ein Brunnen praller Lebenskraft und Energie, aus dem Menschen schöpfen, im Kampf von Hunger, Armut und Ungerechtigkeit. An ihm wird die Vision neuer Formen des Miteinanders erkennbar – von Menschen verschiedener Kulturen und Religionen. Zusammenleben von Generationen, wie hier in der Gemeinde, zwischen Jung und Alt.
Nicht Sklaven und Freie, alle eins in Christus, ist über dem Kreuz zu lesen, an dem die Menschen zueinander finden. Ein Plädoyer für Gleichheit und Gleichberechtigung und ein Aufruf für uns Christen, sich für eine friedliche Welt einzusetzen, in der Gemeinde und weltweit.
Das Kreuz als Zeichen der Verlassenheit. In ihr ist Gott gegenwärtig. Am Rande der Hoffnungslosigkeit macht er sich nicht rar. Das Kreuz als Zeichen von Hoffnung Erlösung.
Zwischen den Gestalten und Motiven:
Offener Raum
Das Wesentliche im Leben ist ein Geschenk
jede und jeder von uns bleibt ein Geheimnis
darum versuche ich all die Bilder
die wir uns voneinander machen loszulassen
weil niemand zu haben ist
sondern alle immer wieder im Werden
Was wären die Formen ohne Zwischenräume
die Farben ohne Zwischentöne
was wäre das Leben ohne Unbekanntes
der Tag ohne Pause
zwischen uns glitzert manchmal offener Raum
Gottes Einladung zum Wachsen
Ich will aus der Kraft des Zwischenraums leben
um nicht mehr alles unter Kontrolle zu haben
ich will mich der uralten Verheissung anvertrauen
die das Dunkel einer Nacht der Verzweiflung
durch die Farben eines neuen Morgen erhellt
Auferstehung mitten im Alltag
Der Brunnen, liebe Gemeinde, ist gleichsam ein Zielpunkt des Bildes, auf die Menschen und Tiere sich hinbewegen. Wie das Brot uns Gemeinschaft schenkt, so gibt uns das frische Wasser neue Kraft und Ausdauer.
Vielleicht macht es uns auch aufmerksam auf Menschen in der Welt, denen es mangelt an Brot und Wasser, an Bildung, Gesundheit und friedlichem Miteinander.
Gebet am Brunnen
Brunnen der Gerechtigkeit
lass uns aus dir schöpfen
damit wir einen fairen Umgang miteinander finden
eine lebensbejahende Form des Zusammenseins
in der alle Menschen ihre einmalige Würde erfahren
Brunnen des Vertrauens
lass uns aus deiner Quelle trinken
die Misstrauen und Grenzen auflöst
weil es nur eine Welt gibt
die Nahrung und Arbeit für alle haben muss
Brunnen der Solidarität
lass uns bei dir innehalten
um nach innen zu schauen
zum tiefen Hoffnungsgrund
der uns zum Widerstand für das Leben bewegt.
Amen.
Gottesdienstablauf
Orgelvorspiel
Votum/Thema
Im Namen Gottes, der Himmel und Erde gemacht hat. Amen.
Du musst singen können, auch wenn die Zeichen gegen dich stehen!
Ukaipa dziwa nyimbo!
Dieses Sprichwort der Chewa aus Malawi, liebe Gemeinde, bringt uns die Lebenssituation vieler Menschen weltweit nahe, die kämpfen müssen für Nahrung und Gerechtigkeit.
Ukaipa dziwa nyimbo!
Ein schöner Satz, der auch aufgreift, was wir in diesem Gottesdienst tun, nämlich singen, beten und feiern – er soll uns heute verbinden mit den Menschen, mit Kindern und Familien, die benachteiligt sind und Tag für Tag ums Überleben kämpfen müssen.
Ukaipa dziwa nyimbo!
Ein Wort, das Mut macht, das Ungerechtigkeiten nicht ausblendet, aber die Freude über die Schöpfung, das Vorhandene anklingen lässt – denn Singen schafft Gemeinschaft, zaubert ein Lächeln auf unser Gesicht und weckt Hoffung auf bessere Zeiten.
Kinderchor
Eingangsgebet
Gott
wir danken Dir
für die Schöpfung, zu der wir gehören
für das Mitgefühl, das uns verbindet
für den Weg, den wir gemeinsam gehen
für alle Erfahrungen, die uns zusammenhalten
für das Wort, das trägt, Mut macht und tröstet
für die offenen Augen und Ohren
für die Herzen, die sich öffnen für Gerechtigkeit und Frieden
und die Hände, die sich um andere kümmern.
Sei Du mitten unter uns, bei uns Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, wenn wir nun gemeinsam beten und feiern.
Kinderchor
Schriftlesung
Brotgeschichte: Brot des Glücks
dabei: Orgel-Improvisation und Brotverteilen
Lied
1. Wenn das Brot das wir teilen als Rose blüht und das Wort, das wir sprechen, als Lied erklingt, ...
2. Wenn das Leid jedes Armen uns Christus zeigt, und die Not, die wir lindern, zur Freude wird, ...
3. Wenn die Hand, die wir halten, uns selber hält, und das Kleid, das wir schenken, auch uns bedeckt, ...
4. Wenn der Trost, den wir geben, uns weiter trägt, und der Schmerz, den wir teilen, zur Hoffnung wird, ...
... dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt. Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt, in der Liebe, die alles umfängt.
Predigt
Kinderchor
Fürbitten
Stille – Unservater
Lied
Halleluja
Mitteilungen
Suppenzmittag mit afrikan. Musik / CD-Verkauf / Filmkomödie
Kollekte: Brot für alle, speziell an Projekte für benachteiligte Kinder
Sendungswort
Segen
Lasst uns gehen in der Kraft,
die uns in diesem Gottesdienst gegeben wurde.
Wir wollen Ausschau halten nach der Würde
eines jeden Menschen, von Erwachsenen und Kindern.
Gott segne uns auf dem Weg der Menschwerdung
und der Menschlichkeit.
Er lasse sein Angesicht über uns leuchten,
wo immer wir für die Rechte von Menschen einstehen.
Er schenke uns Frieden,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.
Lied RG 336
Friede wünsch i diir und Friede wünsch i miir,
Friede für öis ali und für die gani Wält. (3x)
Orgelnachspiel
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