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Predigt zum Thema Glaube
Ich glaube … mit diesen Zeilen, liebe Gemeinde, beginnt das gerade gehörte Credo aus der Messe in F-Dur von August Zangl.
Ein Bekenntnis zu Gott als dem Urgrund unseres Lebens, dem Schöpfer und Erhalter unserer Welt. Gott als Macht, die sich durchzieht und die uns trägt.
Es folgt das Bekenntnis an Jesus Christus, durch den wir Gottes Liebe erfahren und - bevor die Kirche bekannt wird - der heilige Geist, Quelle des Lebens und unserer Gemeinschaft.
Glaube, um dieses Thema soll es in der heutigen Predigt gehen.
Nicht um Unterscheidung zwischen wahrem und falschem Glauben, sondern vielmehr um die verborgene Leuchtkraft und heilsame Wirkung, die uns durch das biblische Zeugnis entgegenstrahlt. Glaube hat nur etwas Schweres, wenn man ihn missverstehen will oder wenn er missbraucht wird. Haben Sie vorhin gehört, wie es im ¾-Takt dahinschwebt, das Bekenntnis an den Gott den Schöpfer der sichtbaren und unsichtbaren Welt, leicht und fröhlich?
Glaubensbekenntnis - Was passt da für ein Predigttext?
Vielfach ist in der Bibel von Glaube die Rede, im Alten wie im Neuen Testament, und oft wird er gemeinsam genannt mit rechtem Tun und Lieben, mit Zukunft oder Hoffnung.
Ich möchte mich heute mit Ihnen auf eine kleine Spurensuche machen. So soll nicht ein Text im Mittelpunkt stehen, sondern mehrere Sätze, die den Glauben in verschiedenen Nuancen beleuchten.
Glaube beheimatet uns Menschen in der Welt und gibt uns Halt und Geborgenheit.
Aber Glaube steht in der heutigen Zeit auch oft für Unterscheidung und Abspaltung zwischen Menschen und ist Anlass vieler aktueller Auseinandersetzungen. Welches ist der richtige Glaube? Und wie will er gelebt sein?
Der Glaube stellt uns Menschen in ein besonderes Verhältnis zu einem Gegenüber, sei es eine Macht oder ein Mensch. Aus der Beziehung zu diesem Gegenüber erfahren wir uns (in einer Geborgenheit durch die Kraft, die sie trägt.)
Im Alten Testament lesen wir vom Glauben Abrahams, als Gott ihm einen Sohn verheisst und ihm seinen Bund gewährt - ihm Nachkommenschaft und Zukunft verheisst.
Abraham als Urbild des Glaubens - immer wieder dient er im Neuen Testament als Vorbild. Im Brief des Paulus an die Römer erfahren wir, dass aus dem Glauben die Gerechtigkeit kommt. Nicht durch das Tun und Sich-Abrackern von Werken werden wir gerecht, sondern aus Glauben. Und weiter heisst es im Galaterbrief:
Erkennt also, die aus dem Glauben sind, das sind Gottes Kinder.
Christlicher Glaube, liebe Gemeinde lässt uns zu Kindern werden, zu Kindern des Lichtes, Botschafter des Friedens - lässt uns eine gesunde Naivität erfahren, die uns in Gemeinschaft stellen will, hier in der Gemeinde und weltweit.
Was aber ist dieser Glaube, und wie können wir ihn uns aneignen?
In unserer Wettbewerbsgesellschaft und dem Konkurrenzdruck leiden wir oft unter einem Aktionismus, über den wir uns definieren oder anderen gegenüber darstellen wollen. Imageargumente scheinen eine immer wichtigere und vorherrschende Rolle zu spielen, nicht nur bei Kindern und Jugendlichen, sondern auch in den Familien.
Ein Drang nach Selbstbeherrschung und Eigenaktivität, der nicht abnimmt und die anderen um sich herum aus den Augen verliert.
Du kannst alles schaffen, wenn Du Dich nur anstrengst.
Sicherlich müssen wir unser Leben selbst in die Hand nehmen, aber sollten wir es nicht auch getragen wissen, in Momenten unseres Lebens, wo wir an unsere Grenzen gelangen, fragend dastehen und nach Hilfe schreien, Ohnmacht spüren und keine Antwort haben - heimatlos, herausgerissen aus der so angestrebten Sicherheit.
Was für eine andere, was für eine befreiende Botschaft, die uns gerade in solchen Zeiten entgegentönt und uns Trost geben will.
Der Glaube fängt uns auf. Wir dürfen uns Gott anvertrauen mit allem was uns anhaftet. Nichts ist ihm fremd. Bevor wir uns nach ihm auf die Suche machen, ist seine schützende Hand schon längst ausgestreckt und hält uns fest.
So rettet uns nach neutestamentlicher Auffassung der Glaube an Jesus Christus aus unsrer Angst und richtet den Blick nach vorn.
Kaum so viel wie im Johannes-Evangelium wird der Glaube in seinen unterschiedlichen Nuancen uns vor Augen gemalt:
Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingebornen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. - So die Exposition, aus der heraus wie verschiedenen musikalische Motive die Botschaft verdeutlicht wird.
Nicht im Sinne einer drohenden Voraussetzung, sondern als Angebot und Einladung lesen wir:
Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben.
Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.
Immer geht es um Befreiung zum Leben, zur Fülle, zur Überwindung von uns gefangenhalten wollenden Grenzen: Jesus als Auferstehung und Leben. Der Glaube an ihn überwindet selbst den Tod.
Das ist Gottes Werk, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.
Glaube, liebe Gemeinde, wird uns geschenkt und lässt uns unsere Beziehung zu Gott auf besondere Weise erfahren, aus der wir unseren Glauben bekommen. Wir müssen nicht tun und kämpfen, sondern wir dürfen empfangen. Gerade das ist aber oft eine Herausforderung an uns.
Empfangen - wo, liebe Gemeinde, empfangen Sie etwas für sich in Ihrem Alltag, wo holen Sie belebenden Atem? Ist es die Natur, Musik oder Literatur, das Träumen von anderen Orten oder vergangenen Zeiten?
Tut es nicht manchmal gut, diese Gedanken und Gefühle zuzulassen, diesen Geist in uns leben zu lassen, uns diesem schwebenden Moment eine Zeit lang hinzugeben, ihn in uns wirken zu lassen?
In solchen Momenten fühlen wir uns frei und dennoch erfüllt von einer Wärme und Nähe, die uns Geborgenheit gibt.
Glaube beinhaltet Sehnsucht und Leidenschaft.
Er stillt unser Verlangen ohne es ganz auszulöschen, treibt uns an zu gegenseitiger Achtung und Liebe, die uns aus uns selbst heraussetzt, uns ausser uns erfahren lässt, Liebe die das Gegenüber sucht, Partnerin oder Partner, die Familie, einen lieben Menschen in Erinnerung ruft.
Es ist Gottes Geist, der Menschen immer wieder antreibt, besonders in der Kunst, Literatur und in der Musik und uns die Schöpfungskraft auf neue Weise vor Augen stellt. Gerade in der reformierten Tradition ist Gottes Geist ernstgenommen worden und hat einen wichtigen Platz erfahren. Bis heute hat er dafür gesorgt, dass sich die Reformierten immer wieder der Herausforderung stellen, am Puls der Zeit zu bleiben.
Glaube bietet Heimat. Nicht nur Menschen, die vertrieben worden und auf der Flucht sind, finden zusammen im gemeinsamen Feiern, Singen und Gebet.
Heimat für viele Menschen, egal welcher Herkunft, welchen Standes und Alters, Gemeinsamkeit durch Worte und Klänge.
Heimat - ein Begriff, der in der heutigen Zeit von Beschleunigung und Globalisierung eine neue Dimension erfährt und in uns Sehnsucht fühlen lässt nach Verwurzelung und Gemeinschaft.
Christlicher Glaube, liebe Gemeinde, will uns beleben.
Der Evangelist drückt es in den Worten Jesu so aus:
Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fliessen.
Glaube macht uns kreativ, lockert auf, schafft Lösungen, wo Konflikte entstanden sind, Fronten verhärtet scheinen.
Glaube als Licht der Welt, das dunkle Winkel erhellt uns Verlorengeglaubtes wieder zum Vorschein bringen will. Glaube der die Angst in der Welt überwindet und Hoffnung gibt.
Glaube - in Worten und Klängen überliefert, die uns etwas von der göttlichen Fülle erahnen lassen.
Amen.
Gottesdienstablauf
Gottesdienst mit frühromantischer Musik
August Zangl: Missa in F
Orgelvorspiel
Votum
Im Namen Gottes der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.
Begrüssung
Herzlich willkommen zu einem besonderen musikalischen Gottesdienst, in dem Wort und Klang eine enge Verbindung eingehen. Kyrie - Gloria - Credo - Sanctus - Agnus Dei - Teile der (kath.) Messe, die dem einen oder der anderen vielleicht weniger vertraut sind, aber deren Texte wir teilweise in Liedern unseres reformierten Kirchgesangbuches finden, verbinden sie uns doch mit den christlichen Partnern weltweit.
Im Mittelpunkt der Messe und des heutigen Gottesdienstes soll das Credo stehen: Ich glaube. Das Glaubensbekenntnis. Fast verbannt aus der reformierten Liturgie und unseren Köpfen möchte ich mit Ihnen dieses liturgische Traditionsstück beleuchten und eine aktuelle Lesart finden, die uns den Reichtum des christlichen Glaubens näher bringen kann.
Lied RG 221, 1-2 (EG 179)
Allein Gott in der Höh sei Ehr
Gebet
Gott, Schöpfer unseres Lebens,
Wir kommen in dieser Morgenstunde zu Dir, um stille zu werden und zu hören.
Hilf, dass wir die Sorgen der Woche hinter uns lassen können, um uns Deinem Wort und dem Klang der Musik zu öffnen. Lass aus der Schwere, die uns bedrücken und gefangen halten will, Leichtes entwachsen. Du schenkst uns Glauben, aus ihm erfahren wir Kraft und Trost. Begleite uns in diesem Gottesdienst mit Deinem Geist der Wahrheit und Liebe.
Amen.
Messe
Kyrie, Gloria, Credo
Predigt
Messe
Sanctus
Fürbitten - Stille - Unser Vater
Messe
Agnus Dei
Mitteilungen
Kollekte
Schweizer Patenschaft für Berggemeinden:
Die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden unterstützt jährlich ca. 400 Projekte.
Die materielle Lage vieler Berggebiete, vor allem kleiner und abgelegener Gemeinden in den Alpen und im Jura ist keineswegs rosig. Viele, die jene Gebiete oft nur von ihrer Ferienseite her kennen, sind sich dessen nicht bewusst. Die Erhaltung dieser Regionen als zeitgemässer und lebensvoller Kultur- und Arbeitsraum braucht zusätzliche Unterstützung begüterter Gemeinden und Städten.
Die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden, gegründet 1940, will diese Solidarität fördern und mithelfen, dass unsere Bergregionen bewohnbar, bewirtschaftet und gepflegt bleiben. Projektbezogene Spenden werden ohne jeden Abzug weitergegeben, und der Verwaltungsaufwand ist mit rund 3 Prozent beispielhaft niedrig.
Lied RG 430, 1.3.6
Gott aus Gott und Licht aus Licht
Segen
Lied RG 334 (EG 435)
Dona nobis pacem
Orgelnachspiel
© UlrichHossbach.de
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