[ Gottesdienst und Predigt am 17.5.2007 ]
 

Predigt zum Konfirmationsgottesdienst

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern, Freudinnen und Freunde, Angehörige,
liebe Gemeinde,

ein besonderes Fest erleben Sie heute, die Mütter, Väter, Grosseltern, Paten, die Verwandten, ein besonderer Tag ist das aber heute für euch Konfirmanden.
Ihr steht im Mittelpunkt.
Das ist schön, aber – vielleicht – auch ungewohnt. Die festliche Kleidung, die Feierlichkeit, die ganzen Vorbereitungen, und nun der Gottesdienst, in dem ihr spüren sollt, wir sind gemeint mit den Liedern, in den Gebeten. Denn die Lieder habt ihr mit ausgesucht und: Ihr habt eurer Konfirmation einen schönen und vielversprechenden Namen gegeben und vieles in intensiver Arbeit vorbereitet.

Aus dem KUW-Unterricht wisst ihr: Zuhören und lernen fällt leichter, wenn man dabei etwas sieht. Deshalb habe ich dieses Seil mitgebracht – bzw. von Sven geliehen. Es passt gut zu eurem Thema: Rise up – auf geht’s!

Es ist kein Seil zum Anbinden oder gar zum Fesseln. Denn das wollen wir mit euch ja gerade nicht tun. Wir wollen euch nicht festbinden.
Es ist ein Seil, an dem man sich festhalten kann. Vielleicht bleibt es euch in Erinnerung, wenn ihr später an eure Konfirmation zurückdenkt: Da war doch die Sache mit dem Seil!

Es geht bei der Konfirmation darum, dass für euch ein Seil geknüpft wird zum Festhalten. Der Bergsteiger knüpft sein Seil um das Gesäss, den Sitzgurt, und die Oberschenkel und verknotet es – heute seltener – mit dem Brustgurt.
Falls er den Halt verlieren sollte, ist er gesichert, dann sitzt er wie in einem Sessel und kann es, wenn das Seil oben, „toprope“, befestigt ist, an der Kletterwand oder am Fels einige Zeit aushalten, auch wenn er über dem Abgrund schwebt.

In einer ähnlichen Situation sehen wir euch. Eure Eltern, wir alle, wissen wie wichtig ein Seil – im übertragenen Sinn – für das Leben ist, und wir möchten es heute für euch ein Stück fester knüpfen.

Konfirmation, das heisst: Befestigung. Die kirchliche Konfirmation ist die Bestätigung und Ergänzung der Kindertaufe. Aber wer bestätigen will, muss wissen, was er bestätigen soll. Er muss die Sache kennen, um die es geht.

Ich hoffe dass einiges im Konfirmandenunterricht für euren Weg angestossen wurde, dass ihr einiges unterwegs aufgeschnappt habt, Fragen in euch geweckt wurden und vielleicht auch beantwortet wurden.
Auch hier gilt das Motto: Der Weg ist das Ziel. Ich hoffe, dass ihr einen gepackten Rucksack mit auf den Weg bekommen habt, von dem ihr zehren könnt.

Das Leben das vor euch liegt, ist einer Bergtour ähnlich, es kostet Schweiss, Vorsicht und Ausdauer. Aus der eigenen Erfahrung kennt ihr Kletterwände.
Als Gruppe habe ich mit euch diese tolle Erfahrung machen dürfen, und ich fand es wirklich super, dass jeder und jede von euch an der Wand sich und seine Kräfte ausprobierte.

Was habt ihr dabei erlebt oder gedacht?
Ich habe euren Mut bewundert, der bei einigen besonders stark war, sei es beim Klettern im Vorstieg, Climbing an der Decke oder beim Kopfüber-Abseilen.

Beim Klettern lassen sich – wie ich finde – interessante Erfahrungen machen, die auch sonst im Leben wichtig sind.
Zunächst braucht es die Vorbereitung: gute Kletterschuhe, ein gutes Seil, Gurt und funktionierende Karabiner. Dann müssen die Knoten geknüpft werden. Ein bisschen Kreide für die schwitzenden Hände und los geht’s. Und immer: das Seil einhängen und Zwischensicherungen legen.

Der erste Tritt und Griff an der Wand und schon beginnt die zielstrebige Suche nach dem nächsten. Es ist ein Abtasten der Möglichkeiten – was geht, was geht nicht.
Der Blick ist nach vorne bzw. nach oben gerichtet. Ist der Tritt noch fest? Was braucht es, um an den nächsten Griff zu kommen? Welcher Weg ist nun der beste, einfachste oder sicherste? Was kann ich mir zutrauen?

Diese Überlegungen trifft der Kletterer blitzschnell – vielleicht eine gute Übung und Voraussetzung, sonstige Probleme für das weiter Leben spielerisch zu lösen oder zumindest zu reflektieren.

Das Thema vom Weg begegnet uns oft in der Bibel.
„Weise mir Herr deinen Weg, dass ich wandle in Deiner Wahrheit“ (Ps. 86,11[Link]), so spricht der Psalmbeter im Alten Testament – und so könnte heute der Wanderer und Kletterer in unsrer immer undurchsichtiger und komplizierter, schneller veränderlichen Welt bitten. Und im Neuen Testament hören wir Jesus sagen: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ (Joh. 14,6[Link]) und „Wer an mich glaubt, der wird leben.“ (Joh. 11,25[Link]) – Der Glaube an Jesus Christus als Quelle des Lebens und neuer Kraft.

Aus eigener Erfahrung kennt ihr nun Wanderwege und Kletterwände, Felsen, Steine auf dem Weg, habt Abschürfungen und blaue Flecke erlebt. Einige von uns mussten Verluste erleiden, vielleicht gesundheitliche oder schulische Probleme meistern. Andere haben in der Familie Sorgen erlebt. Gefahren und Probleme in unserer Gesellschaft kennen wir alle, die die Zukunft verdunkeln oder belasten.
Gut, wenn das Seil fest geknüpft ist.

Aber auch das andere stimmt, der Bergsteiger oder die Bergsteigerin klettert und seilt sich an, weil es ihm oder ihr Spass macht, auch wenn sie Anstrengung kostet. Und das soll in eurem Leben auch gelten: Es soll euch Spass machen, Freude, Gelingen und Erfolge bringen. Auch dafür ist es gut, wenn das Seil fest geknüpft ist, dass ihr Sorge und Angst ein Stück hinter euch lassen könnt, euch fallen lassen könnt, im Wissen darum, dass da eine Kraft ist die euch hält.

Mehrere Dinge sind beim Bergsteigen wichtig.
Vorsicht braucht es und Umsicht, wenn man den Gipfel erreichen will. Bei jedem Tritt muss man prüfen, ob der Stein nicht bröckelt. An drei Punkten muss man Halt haben, wenn man mit einem Fuss oder einer Hand neuen Halt sucht.
Für euch sind es die Eltern, die euch diesen Halt geben möchten. Sicher, manchmal wehrt ihr euch dagegen, „seilt euch ab“. Aber ist es nicht gut zu wissen und dafür dankbar zu sein: Ich habe ein Zuhause, das mich hält und trägt.

Neben der Frage, was mich hält bleibt die Frage: Was hilft mir weiter?
Da ist der Rat: Kehr rechtzeitig um, je weiter du den falschen Weg verfolgst, desto schwieriger wird es, lass das Seil nicht aus der Hand!

Die Fragen des Bergsteigens waren auch die unseren, waren eure Fragen.
Konfirmandenzeit, die Frage nach einem gehbaren Weg und einem tragfähigen Seil. Wir haben versucht zu verstehen, dieses Seil hat einen Namen:
„Fürchte dich nicht, ich bin bei dir, weiche nicht, ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir, ich halte dich durch die Hand meiner Gerechtigkeit.“ (Jes. 41,10[Link])

Gott, dein Gott, der Vater von Jesus Christus. Wie Jesus Christus sich zu Gott und Gott sich zu ihm gehalten hat, das hat Spuren hinterlassen, hat Glaube und Vertrauen geweckt, hat Menschen Halt gegeben und gibt Halt, sodass sie andere halten, „anseilen“ können, weg vom Streit zur Versöhnung, weg von Missachtung zu Anerkennung, weg von Gewalt zu friedvollem Umgang.


Ich wünsche mir, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, dass ihr euer Vertrauen in Gottes Begleitung nicht verliert und den Blick für den Nächsten, der eure Hilfe braucht, dass ihr an den Kletterwänden und Felswänden eures Lebens „angeseilt“ bleibt in eurem Glauben.
Sicher, Glaube ändert sich, das erfahren wir als Erwachsene immer wieder. Und so verschieden die Kletterseile sind, verschieden stark, gemustert, lang – so verschieden sind die Fragen, die ihr stellen und die Antworten, die ihr finden werdet.

Dass das Seil tragen kann, merkt man erst, wenn man losgeht und sich sagt:
Rise up – auf geht’s!

Da liegen vielleicht Steine im Weg, so wie vor der Kirche, aber nicht so schön aufgereiht; du stolperst, aber es gibt einen der dich immer wieder aufrichten wird.
Du wirst vielleicht in einem falschen Tal aufsteigen, oder in eine Schlucht geraten, aber da ist einer, der sagt, dass du umkehren darfst, der dich abseilt und du wieder festen Boden unter deinen Füssen gewinnst auf den grünen Wiesen am Fuss der Berge rund um Kandersteg oder da, wo es dich im Leben einmal hinverschlagen wird.
Amen.


Gottesdienstablauf

Orgelvorspiel

Votum & Begrüssung
Wir feiern diesen Gottesdienst als Fest des Lebens
im Namen Gottes – Quelle, die belebt
im Namen Jesu Christi – Wahrheit, die befreit
im Namen des Heiligen Geistes – Kraft, die erneuert

Ich begrüsse euch, die Konfirmandinnen und Konfirmanden, Sie, die Eltern und Angehörigen, und die Gemeinde sehr herzlich zu diesem Konfirmations-Gottesdienst an Auffahrt.

„Rise up - auf geht’s!“ – gibt es ein besseres Motto an Himmelfahrt? Mit einigem Einsatz und Elan haben die Konfirmanden ihre Konfirmation vorbereitet.
In der Konfirmation kommt zum Ausdruck, dass Gott in Jesus Christus mit euch einen Bund schliesst, zur Nachfolge und Gemeinschaft mit ihm einlädt und zur Mitarbeit in seiner Gemeinschaft.
Erlauben Sie mir vorweg eine Bemerkung. Ich lade Sie ein den Gottesdienst mit Herzen und Sinnen zu erleben. Film und Foto haben hinter ihren Platz.

Eingangswort

Lied RG 518, 1-2 (EG 331, 1)
1. Grosser Gott, wir loben dich; Herr wir preisen deine Stärke.
Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke.
Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.
2. Unser Land mit seiner Pracht, seine Berge, seine Fluren
sind die Zeugen deiner Macht, deiner Vatergüte Spuren.
Alles in uns betet an; Grosses hast du uns getan.

Gebet
Gott, Schöpfer, dir verdanken wir diesen Tag,
das Fest das vorbereitet ist,
und die Geschenke, die viele Menschen uns heute machen.
Dieser Tag ist wie dein Geschenk an uns.
Wir freuen uns darauf.
Wir bitten dich für diesen Gottesdienst, in dem wir konfirmiert werden:
Mach uns offen für dich und lass uns den Weg der jetzt vor uns liegt,
nicht das Ende, sondern den Anfang eines Weges mit dir sein.

Lied
How many roads must a man walk down (Bob Dylan)[Link]

Vorstellung der Konfirmandinnen und Konfirmanden

Psalmlesung

Lied RG 700, 1-2 (deutsche Fassung[Link])
1. Weit wie das Meer ist Gottes grosse Liebe,
wie Wind und Wiesen, ewiges Daheim.
Freiheit bekamen wir, uns zu bewegen
und zu Gott Ja zu sagen oder Nein.
2. Wir wollen Freiheit, um uns selbst zu finden,
Freiheit, die Leben zu gestalten weiss.
Nicht leeren Raum, doch Raum für unsre Träume,
Erde, wo Baum und Blume Wurzel schlägt.
3. Und doch sind Mauern zwischen uns und andern,
wir sehn einander nur durch Gitter an.
Unser Gefängnis ist das eigne Wesen
und seine Mauern nichts als unsre Angst.
Refrain: Weit wie das Meer ist Gottes grosse Liebe,
wie Wind und Wiesen, ewiges Daheim.

Predigt

Orgelimprovisation

Konfirmation
• Einleitung
Glaubensbekenntnis
• Segenssprüche

Lied der Konfirmierten
Another day in paradise (Phil Collins)[Link]

Fürbitten – Stille – Unser Vater

Mitteilungen & Kollekte

Lied RG 364, 1+4 (EG 171, 1+4)
1. Bewahre uns Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns auf unsern Wegen.
Sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit deinem Segen.
Sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit deinem Segen.
4. Bewahre uns Gott, behüte uns Gott, sei mit uns durch deinen Segen.
Dein Heiliger Geist, der Leben verheisst, sei um uns auf unsern Wegen.
Dein Heiliger Geist, der Leben verheisst, sei um uns auf unsern Wegen.

Segen

Orgelnachspiel

© UlrichHossbach.de