|
Predigt zu Lukas 9, 10-17
Was satt macht
Was, liebe Gemeinde, macht uns satt?
Was stillt in diesen Tagen ihren Durst?
Wie und wo erleben wir Erfüllung für unser Leben?
Fragen, die sie sich sicherlich schon einmal gestellt haben – vielleicht auch in diesem Sommer – als Daheimgebliebene, aus dem Urlaub Zurückgekehrte oder aber dem Urlaub Entgegenfiebernde.
Jeder Mensch braucht seinen Süden, muss die Seele baumeln lassen um neue Energie auftanken zu können.
Der Hunger und die Sehnsucht nach Sättigung ist für uns Menschen wesentlich und lässt uns unsere Bedürftigkeit erfahren.
Was macht uns satt?
Der heutige Predigttext hält vielleicht eine Antwort auf diese Frage bereit:
(10) Und als die Apostel zurückkehrten, erzählten sie ihm alles, was sie getan hatten, und er nahm sie mit und zog sich abseits zurück nach einer Stadt mit Namen Bethsaida.
(11) Als aber die Volksmengen es erfuhren, folgten sie ihm; und er nahm sie auf und redete zu ihnen vom Reich Gottes, und die Heilung brauchten, machte er gesund.
(12) Der Tag aber begann sich zu neigen, und die Zwölf traten herbei und sprachen zu ihm: Entlass die Volksmenge, dass sie in die Dörfer ringsum und auf die Höfe gehen und Herberge und Speise finden; denn hier sind wir an einem öden Ort.
(13) Er aber sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen. Sie aber sprachen: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische, es sei denn, dass wir hingingen und für dieses ganze Volk Speise kauften.
(14) Denn es waren etwa fünftausend Mann. Er sprach aber zu seinen Jüngern: Lasst sie sich reihenweise zu je fünfzig lagern.
(15) Und sie taten so und ließen alle sich lagern.
(16) Er nahm aber die fünf Brote und die zwei Fische, blickte auf zum Himmel und segnete sie; und er brach sie und gab sie den Jüngern, damit sie der Volksmenge vorlegten.
(17) Und sie aßen und wurden alle gesättigt; und es wurde aufgehoben, was ihnen an Brocken übriggeblieben war, zwölf Handkörbe [voll].
Eine Erzählung, die davon berichtet wie Menschen satt werden.
Ein Gleichnis von der Fülle, die Gott für uns bereit hält – wundervoll und unerwartet, in für uns meist nicht nachvollziehbaren Dimensionen.
Was macht uns satt?
Was löscht unseren Durst?
Wo und wie suchen wir dauerhafte Erfüllung?
Da ist seit einigen Wochen das erfrischende Bad im See – Abkühlung ist wichtig.
Und nicht zu vergessen: das Trinken.
Die Hitze dieser Tage lässt uns erahnen, wie es Menschen ergeht die nicht genügend Wasser zum Leben haben.
Warme Sommerabende laden ein in Biergärten, zum Flanieren, zu Open-Air-Kinos und Spaziergängen.
Neben dem Wasser ist überhaupt der Spiel- und Spassfaktor für viele von uns wichtig. Sei es im Urlaub oder daheim, man versucht den Sommer so angenehm wie möglich zu gestalten.
Jede und jeder weiss wo er/sie hinfliehen muss, wie man sich einzurichten hat damit es einem gut geht, man seine Seele baumeln lassen kann, man seinen Durst stillen kann.
Fast alle von uns haben die Möglichkeit uns solche Wünsche zu erfüllen und sie zu geniessen.
Erleben wir darin ausgiebige Erfüllung – oder bleibt manchmal daran im Anschluss ein unerfülltes Gefühl zurück, weil es nicht andauert, sondern kurzlebig ist.
In vielem Wohlgefühl manchen Glücksmomenten bleibt oft eine Spur von Unerfülltheit, von Sehnsucht zurück.
Es gibt Geschichten – Menschen – Situationen, denen man sich nicht entziehen kann und die einen nachhaltig beeinflussen, weil man in ihnen erkennt, dass das Glück nicht in einer Million liegt, nicht in einem teuren Auto oder einem Diamanten. Sondern im Lachen eines Kindes, im Schlagen eines Schmetterlingflügels, im Lächeln eines alten Menschen, in einer leisen Melodie. Im Ein- und Ausatmenkönnen. Im Jetzt.
Die Schweizerin Lotti Latrous z.B. ist eine solche Frau.
Als zufriedene dreifache Mutter, glückliche Ehefrau, die ihren Mann, der für einen Grosskonzern arbeitet, von Kairo nach Westafrika in die Elfenbeinkpüste begleitete, begann sie in einem Spital zu arbeiten und liess sich vom Elend, das sie antraf, treiben. Weg vom Spital, mitten hinein in die Slums.
Gemeinsam mit ihrem Mann stampfte sie ein Ambulatorium aus dem Boden, das Centre Espoir. Von diesem Tag an kamen die kranken Menschen in Scharen. Die Möglichkeit ihnen zu helfen, liess Lotti Latrous anders glücklich sein als bisher.
„Zuvor“, sagte sie, „waren mein Körper und mein Herz durch Mann und Kinder und unsere Lebensweise glücklich, sehr glücklich. Doch danach spürte ich mein Glück auch noch in meiner Seele.“
Kurz nach der Eröffnung des „Zentrums der Hoffnung“ sollte die Familie Latrous nach Kairo zurückversetzt werden. Für die Familie begann eine Zerreissprobe. Aber ihr Mann wollte keine Scheidung, sondern seine Frau.
Die Suche nach einer für alle lebbaren Lösung dauerte Monate. Sie pendelte zwischen Familie Ägypten und Elfenbeinküste. Für ihren Mann war klar, dass er ihrem Herzenswunsch respektierte und ihr dabei half, ihn Wirklichkeit werden zu lassen.
Seitdem verschenkt Lotti Latrous ihre liebe tag für Tag – dort, wo 2/3 aller weltweit an Aids Infizierten leben: in Schwarzafrika. Dort, wo 1/3 der Einwohner an Hunger leidet und über 15% der Kinder vor Erreichen des fünften Lebensjahres und täglich 6000 Menschen an Aids sterben.
Was macht Sie glücklich, liebe Gemeinde?
Angesichts des Beispiels von Madame Lotti gerät unsere Suche nach Sättigung ins Stocken und weitet den Blick auf das wirklich wichtige, das wesentliche in unserem Leben – Erfüllung, die andauert.
Ein Traum, der in Erfüllung geht.
Eine Seele, deren Durst gelöscht wird.
Die Schweizerin an der Elfenbeinküste erfährt es tagtäglich bei ihrer Arbeit, indem sie anderen hilft, zu überleben.
Kommen wir zurück zum Gleichnis von Jesus und der Speisung der vielen Menschen. Wie geschieht hier Sättigung?
Jesus, an einem abgelegenen trockenen Ort – von Menschenmassen umgeben, die sich nach Heilung und seelischem Durststillen sehnen. Die Jünger erkennen die Situation, die sich zuspitzen würde, wenn nicht bald gehandelt wird.
Sie schlagen ihm vor, die Leute weg, in die Dörfer ziehen zu lassen, damit sie Essen und Unterkunft erhalten können.
Auf die Sorge der Jünger reagiert Jesus mit den Worten: Gebt ihr Ihnen zu essen! Der einige Satz Jesu in dieser Wundergeschichte.
Mit diesem Ausruf bleibt er in Kontakt zu den Menschen und lässt sie nicht weggehen, um sie woanders Erfüllung suchen und evt. finden zu lassen.
Die Jünger wollen es nicht glauben, wie mit fünf Broten und zwei Fischen 5000 Menschen gesättigt werden können.
Kurz darauf werden sie Zeuge der (segensreichen) grossen Brotvermehrung.
Wie genau es zustande kommt und wie viel die Menschenmassen zu essen bekommen, wird nicht gesagt. Nur – dass Segen über ihnen legt und dass sie satt werden.
Was für ein starkes Bild!
Vielleicht ist es gar nicht viel, was sie zu essen bekommen, vielleicht lässt das Teilen der Menschen ihr biologisches Hungergefühl geringer erscheinen.
Es muss noch etwas anderes sein, was die Menschen in dieser Situation satt gemacht hat.
Vielleicht war es die Gemeinschaft, die Nähe, der entstandene Kontakt untereinander, das Teilen, das verbindet. – Hunger der gestillt wird, Durst und Sehnsucht die hier gesättigt werden.
Gebt ihr Ihnen zu essen!
Dieser Ausruf Jesu lenkt den Blick von unserer eigenen hartnäckigen, nur auf uns selbst bezogenen Wunscherfüllung auf das Gemeinsame hin.
Im Teilen wird etwas von Gottes Güte sichtbar, werden wir von seinem Segen erfüllt und wird unserer Durst nach mehr gestillt.
Was sagt das uns in diesen Sommer hinein?
Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott für unser Leben mehr bereit hält, als es in Urlaubsabenteuern und Vergnügungssucht für uns erlebbar oder auch nicht erlebbar wird...
Gottes Fülle gibt uns Nahrung auch in den stillen Momenten unseres Lebens, egal an welchem Ort.
Wir dürfen Sättigung erfahren nicht nur in der Suche um die eigene Bedürfnisbefriedigung, sondern im Teilen mit anderen.
Dies erfrischt und stillt nicht nur unseren Durst, sondern geht weiter, baut Brücken und steckt andere Menschen an von der erfahrenen Liebe.
Und: es sorgt für Dauer und lässt uns lebendig bleiben, wach für uns und andere.
Wie der Hirsch Durst hat nach frischem Wasser,
so habe ich Durst nach Dir, Gott!
Meine Seele hat Gott-Durst,
Durst nach dem lebendigen Gott
(Psalm 42 nach Arnold Stadler)
Amen.
Gottesdienstablauf
Orgel (Suche nach Glück, Durst, aufwühlend)
Votum – Begrüssung – Thema
Spurensuche nach dem Glück und der Erfüllung in unserem Leben
Erfüllung, Sehnsucht, das Ausloten von Emotionen – sei es in Sport, in der Musik oder anderer Ekstase – scheinen grundmenschlich zu sein und kennen selten Grenzen.
Glück – punktuell, nie langlebig und für jede und jeden von uns unterschiedlich erfahrbar, meist unvorhersehbar und überraschend.
Wo begegnet es uns?
Lied RG 579, 1-3 (EG 334)
Danke für diesen guten Morgen
Gebet
Lied RG 579, 4-6 (EG 334)
Danke für diesen guten Morgen
Lesung
Psalm 42 (nach Arnold Stadler)
Lied RG 30, 1
Wie der Hirsch nach frischer Quelle
Predigt
Orgel (Suchbewegung mit Ziel)
Lied RG 30, 4
Wie der Hirsch nach frischer Quelle
Fürbitten – Stille – Unservater
Lied RG 627 (EG 458)
Wir danken Gott für seine Gaben
Mitteilungen
...
Sendung/Segen
Lied RG 346, 1-3 (EG 171)
Bewahre uns Gott, behüte uns Gott
Orgel (fröhlich)
© UlrichHossbach.de
|